10. Juli 2009 – Nach der Abschiebung, vergangenen Donnerstag, von Semsi R., einem 41-jährigen Rom, dessen Familie inzwischen untergetaucht ist, ist jetzt eine weitere Romafamilie in Niedersachsen von der Abschiebung nach Kosovo bedroht. Nach Informationen des Flüchtlingsrats Niedersachsen, teilte die Ausländerbehörde in Wolfenbüttel Familie B. mit, dass sie am nächsten Dienstag abgeschoben wird.

Obwohl bisher wurden nur wenige solcher Fälle öffentlich bekannt wurden, wurden nach Angaben des UNHCR in Berlin bereits viele Roma aus Deutschland nach Kosovo abgeschoben. Darüberhinaus erhielten mehrere hundert Roma in Niedersachsen und Hessen und vermutlich auch in anderen Teilen Deutschlands Aufforderungen, freiwillig nach Kosovo zurückzukehren.

Hinter diesen Aufforderungen verbirgt sich die Drohung einer Zwangsabschiebung. Diese Bedrohung ist umso realer, seit die kosovarischen Behörden die Zuständigkeiten im Bereich der Rückübernahme vergangenen November von der UNMIK übernommen haben.

Während sich die UNMIK den Wiederaufnahmegesuchen zum Teil wiedersetzt hat, indem sie auf die Stellungnahme des UN-Flüchtlingswerkes verwies, wonach die Sicherheit der Roma im Kosovo längst nicht garantiert ist, haben sich die kosovarischen Behörden unlängst bereit erklärt, alle Personen, die aus Deutschland abgeschoben werden, aufzunehmen, sofern sie aus dem Kosovo stammen.

Flüchtlingsverbände in Deutschland befürchten, dass es in den kommenden Wochen vermehrt zu Abschiebungen von Roma nach Kosovo kommen wird.

Chachipe a.s.b.l.

 

Siehe auch: Flüchtlingsrat Niedersachsen: Offener Brief an Innenminister Uwe Schünemann: Abschiebestopp für Roma, 10. Juli 2009

Roma-Familie steht vor der Abschiebung, Newsclick, 11. Juli 2009

Abschiebung von Romafamilie aus Wolfenbüttel, Indymedia Germany, 12. Juli 2009

Gericht: Familie darf abgeschoben werden, newsclick.de, 14. Juli 2009

P.S.: 

Nach der negativen Entscheidung des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts Lüneburg das den Berufungsantrag ihres Anwalts, indem er auf die Schwerstbedingung ihres 17-jährigen Sohnes hingewiesen hat, am 13. Juli 2009, abgelehnt hat (siehe hierzu Gericht: Familie darf abgeschoben werden), wurde Familie B. am morgen des nächsten Tages über Frankfurt nach Pristina abgeschoben.