Flüchtlinge finden im Kosovo zerstörte Dörfer und Rassismus vor

Osnabrück, 1. Juli 2009 –  11.500 Roma, die vor Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland geflohen sind, sind von Abschiebung in den Kosovo bedroht. Der Vorsitzende des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück e.V., Diakon Dr. Gerrit Schulte, fordert hingegen einen Abschiebestopp für Roma aus dem Kosovo. Schulte wörtlich: „Wir fordern ein humanitäres Aufenthaltsrecht, damit diese Flüchtlinge eine dauerhafte Zukunftsperspektive in Deutschland erhalten. Wir sehen darin auch eine auch eine besondere geschichtliche Verantwortung Deutschlands gegenüber der Volksgruppe der Roma“. In Niedersachsen leben ca. 3.400 Roma aus dem Kosovo, die von einer Abschiebung bedroht sind.

Ludger Haukap, Migrationsreferent beim Caritasverband Osnabrück, beschreibt die Situation im Kosovo: „Dort, wo einmal die Heimat der kosovarischen Roma war, finden sich heute zerstörte Dörfer, wegplanierte oder enteignete Häuser und eine rassistische Haltung der Bevölkerung. Im Kosovo sind aktuell über 90% der Roma arbeitslos, so dass es kaum möglich ist, eine Existenz zu sichern oder aufzubauen.“

Trotzdem verhandelt die deutsche Bundesregierung zurzeit mit der kosovarischen Regierung über ein Rücknahmeabkommen von Kosovoflüchtlingen aus Deutschland.

Von einem solchen Abkommen sind neben anderen Minderheiten insbesondere die Roma betroffen. Angesichts ihres oft langjährigen Aufenthalts in Deutschland und der derzeitigen Situation im Kosovo hält der Caritasverband für die Diözese Osnabrück e. V. eine Rückkehr der Roma dorthin nicht für verantwortbar.

Die meisten Kosovo-Flüchtlinge kamen schon in den neunziger Jahren nach Deutschland. Haukap zur Situation der Flüchtlinge in Deutschland: „Jahrelang wurden ihnen hier durchgängig Integrationsleistungen verwehrt. Als Geduldete erhielten sie weder Sprachförderung noch Ausbildungsförderung, und ihnen wurde durch gesetzliche Vorgaben der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert bzw. faktisch versagt.“

Die Kinder und Jugendlichen der Flüchtlinge sind hier aufgewachsen oder sogar geboren. Sie haben in Deutschland Kindergärten und Schulen besucht und kennen die Heimat ihrer Eltern nicht. Haukap sorgt sich gerade um die jungen Roma: „Abschiebungen in ein ihnen völlig unbekanntes Land bedeuten eine erhebliche Gefährdung des Kindeswohls und können der Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen schwer schaden.“

Quelle: Caritas Osnabrück