Nach dem Abriss einer illegalen Roma-Siedlung sind serbische Behörden
vergeblich um neue Unterkünfte bemüht.Belgrad, 5. April 2009 – Wieder Ressentiments gegen Roma: Der Versuch der Belgrader Behörden, am Samstagabend eine Container-Siedlung für rund 50 Roma-Familien in einem Belgrader Vorort aufzustellen, ist am heftigen Widerstand lokaler Einwohner gescheitert. Es habe sich um einen regelrecht rassistischen Protest gehandelt, sagte Marko Karadzic, Staatssekretär im serbischen Menschenrechtsministerium, am Sonntag gegenüber der Presseagentur Beta.

Abriss wegen Straßenbau

Die Einwohner von Boljevci, einem etwa 30 Kilometer vom Belgrader
Stadtzentrum entfernten Vorort, hatten Medienberichten zufolge gedroht, die Container samt Einwohnern in Brand zu setzen. In der Siedlung sollen
Roma-Familien­ untergebracht werden, die seit Freitag unter freiem Himmel
leben, nachdem ihre illegale Siedlung in Neu-Belgrad abgerissen worden war.

Der Abriss erfolgte wegen eines Straßenbauprojekts. Die neue Straße soll
eine Wohnsiedlung, in der Anfang Juli rund 13.000 Teilnehmer der Universiade untergebracht werden, mit einem nahe liegenden Hotel verbinden.

Die Siedlung, die abgerissen wurde, ist in den vergangenen Jahren entstanden und nur eine von rund 60 solchen Ansiedlungen in Belgrad. Landesweit­
beläuft sich die Zahl der illegalen Roma-Siedlungen auf etwa 600. In Serbien
leben gemäß offizieller Statistik nur 108.000 Roma.­ Inoffiziell wird ihre
Zahl achtmal so hoch geschätzt. Zahlreiche Roma-Familien, die 1999 aus dem Kosovo geflüchtet sind, besitzen gar keine Personaldokumente und können
häufig auch ihr Recht auf Gesundheitsversicherung oder Einschulung der
Kinder nicht geltend machen.

Seit Jahren problematisch

Der Staat werde wesentlich entschlossener gegen die rassistischen­ Proteste
reagieren müssen, stellte Karadzic am Sonntag fest. Vor einigen Jahren war
bereits ein Versuch der Belgrader Behörden, zur Integration der Roma eine
Siedlung in Neu-Belgrad – und später auch in einem anderen­ Stadtteil – zu
errichten, an breiten Protesten lokaler Einwohner gescheitert.

Quelle: TT/ APA