Nur wenige Asylwerber aus dem Kosovo erhalten derzeit Asyl in Österreich – Auswirkung der Unabhängigkeit laut Ministerium noch unklar 

Wien, 26. Februar 2008 – Als “Asylland mit Tradition” bezeichnet das UN-Flüchtlingskommissariat Österreich. Der Grund: Seit 1945 sind mehr als zwei Millionen Flüchtlinge hierher gekommen.

Im Zuge der Balkan-Kriege zu Beginn der 90er-Jahre kamen rund 90.000 Flüchtlinge, laut UNHCR “die umfangreichste und aufwändigste Aufnahmeaktion in der Geschichte Österreichs”. Im Jahr 1999 kam es abermals zu einer größeren Fluchtbewegung: Mehr als 5000 Kosovo-Albaner flüchteten nach der Eskalation des Kosovo-Konflikts aus ihrem Heimatland.

Daten wenig aussagekräftig

Statistische Erfassungen von Österreichern ausländischer Herkunft sind nur bedingt aussagekräftig. Es gibt keine exakten Angaben darüber, wie viele Serben und Kosovo-Albaner in Österreich leben. Grund für diese Ungenauigkeit ist der Umstand, dass Kosovo-Albaner (noch) serbische Staatsbürger sind. Serben hingegen können auch bosnische Staatsbürger sein. Aussagekräftiger ist wohl die Kategorie Umgangssprache: 177.320 in Österreich lebende Personen benutzten im Jahr 2007 Serbisch im Alltag, 28.212 Albanisch.

Laut Statistik haben im Vorjahr 1239 Menschen aus Serbien (inklusive Kosovo) Asylanträge gestellt – mehr Anträge kamen nur von Angehörigen der Russischen Föderation (1461), zumeist Tschetschenen. Im Unterschied zu diesen hatten aus Serbien stammende Asylwerber kaum Chancen auf Anerkennung. Fast 70 Prozent wurden abgelehnt.

Für Karl Hutter, Bereichsleiter für Asylverfahren im Innenministerium, lasse sich noch nicht absehen, welche Auswirkungen die Anerkennung des Kosovo auf Asylanträge in Österreich haben wird: “Für uns ist die individuelle Gefährdungslage entscheidend. Derzeit beobachten wir, wie sich die konkrete Lebenssituation im Kosovo entwickelt.”  

Quelle: Der Standard