General Gerhard Stelz, Kommandant der NATO-Truppe: “Keine Hinweise auf Eskalation”

Berlin, 18. Januar 2008 – Die Präsidentenwahl in Serbien wird nach Einschätzung der Nato-Truppe KFOR keine Unruhen im Kosovo auslösen. “Derzeit liegen keine Hinweise auf eine Eskalation der Lage vor”, sagte der stellvertretende KFOR-Kommandeur, der deutsche General Gerhard Stelz, am Freitag in einem Reuters-Interview. Vereinzelte Zwischenfälle seien zwar auch als Folge der Abstimmung am Sonntag nie auszuschließen, sie spielten aber keine Rolle für die Sicherheitslage der südserbischen Provinz insgesamt. Als Teil der KFOR sichern derzeit rund 2200 deutsche Soldaten den Frieden im Kosovo ab, der seit 1999 unter UN-Verwaltung steht.

Unter den Kosovo-Albanern herrsche derzeit ein “gespanntes Abwarten” vor, da ihnen die seit langem angestrebte Loslösung von Serbien in greifbarer Nähe scheine. “Mit der Unabhängigkeit verbindet ein erheblicher Teil der Bevölkerung auch eine unmittelbare Verbesserung ihrer Lebensumstände”, erklärte Stelz in dem schriftlich geführten Interview. “Diese Entwicklung will man nicht gefährden.” Auch die serbische Minderheit im Kosovo verhalte sich abwartend, vor allem in den Gebieten südlich des Flusses Ibar. “Ausschlaggebend hierfür ist die Unsicherheit aus ihrem Blickwinkel, ob sie eine Zukunft in einem unabhängigen Kosovo haben”, sagte der General.

Stelz bezeichnete die Sicherheitslage als insgesamt ruhig, auch wenn ethnische Spannungen zweifellos noch vorhanden und spürbar seien. Unabhängig davon seien die Menschen zudem mit der Versorgungslage unzufrieden, vor allem der Energieknappheit. “Einschränkungen in der Stromversorgung sind für die Menschen besonders in den kalten Wintermonaten spürbar”, meinte er.

Verhalten optimistisch äußerte sich der General auch für den Fall, dass das Kosovo demnächst wie angekündigt seine Unabhängigkeit erklären sollte. “Ich hoffe und erwarte, dass auf allen Seiten Vernunft vorherrschen wird und von radikalen Kräften geschürte Unruhen ausbleiben”, sagte Stelz. Serbien werde keinesfalls militärisch eingreifen, hier stehe das Wort der Regierung in Belgrad. Zu den Vorbereitungen der KFOR für diesen Tag äußerte sich der General nicht. “Es gehört zum militärischen Auftrag, für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein”, sagte er lediglich.

Mit Blick auf die Bewohner der serbischen Enklaven sagte Stelz, er erwarte keine großen Abwanderungen nach Serbien oder in den vorwiegend von Serben bewohnten Norden des Kosovo. “Im Gegenteil, ich schließe nicht aus, dass nach einer Unabhängigkeitserklärung – und nachdem der damit zusammenhängende Unsicherheitsfaktor über die Zukunft des Kosovo ausgeräumt ist – serbische Familien wieder in ihre Heimat zurückkehren werden”. Voraussetzung dafür seien aber Ruhe und Stabilität in den betroffenen Regionen.

Quelle: Reuters/Der Standard